Aktuell

Frankfurter Buchmesse 2018

Besuchen Sie uns auf der Buchmesse in Halle 4.1 am Stand E 33

Funny van Dannen: Alles gut, motherfucker – Tour

08.11.2018 Berlin RBB Sendesaal
09.11.2018 Leipzig Werk 2 Kulturfabrik Leipzig
10.11.2018 Düsseldorf Zakk
16.11.2018 Trier Tuchfabrik
17.11.2018 Freiburg Jazzhaus
18.11.2018 CH-Bern Rössli
22.11.2018 Jena Kassablanca
23.11.2018 Stuttgart Im Wizemann
24.11.2018 Marburg KFZ
13.12.2018 Göttingen MUSA
14.12.2018 Zwickau Alter Gasometer
15.12.2018 München Technikum
20.12.2018 Frankfurt/M Mousonturm
21.12.2018 Heidelberg Karlstorbahnhof
22.12.2018 Erlangen E-Werk
07.03.2019 Hannover Faust
08.03.2019 Köln Gloria Theater
09.03.2019 Bremen Schlachthof
14.03.2019 Bochum Bahnhof Langendreer
21.03.2019 Rostock M.A.U. Club
22.03.2019 Hamburg Fabrik
23.03.2019 Münster Sputnikhalle
27.04.2019 AT-Wien Arena

 

präsentiert von TAZ – die tageszeitung

Wir gratulieren Jane Kramer zum 80. Geburtstag

Wir gratulieren Jane Kramer zum 80. Geburtstag, die für den Verlag zwei wichtige Bücher verfasst hat.

Göttinger Elch für Wiglaf Droste

Wir gratulieren unserem Autor Wiglaf Droste zum diesjährigen Göttinger Elch!

Die Laudatio hielt Friedrich Küppersbusch:

Lieber Wiglaf,
liebe Familie Droste, liebe Menschen, die sich ihren Wiglaf redlich verdient haben und die
Wiglaf sich redlich verdient hat, verehrte Elchgemeinde, lieber Preisträger Pit Knorr ! Wiglaf Droste so wenige Tage vor seinem 57ten Geburtstag mit diesem Preis doch noch zu erlegen, ist nicht leicht getan. Droste wurde am 27.6. 1961 in Herford entbunden, und diese verheißungsvollste Katastrophe im Leben eines Menschen – die Entbindung – sollte sich für ihn noch oft wiederholen. Allein die taz hat ihn dreimal – von ihrer Medienseite, seiner Freitagskolumne und seinem Job als Redakteur – entbunden. Wiglaf Droste saß länger im Knast als Johnny Cash. 11 Tage in Moabit, nachdem er zum 1. Mai ’88 als Reporter von engagierten Berliner Polizisten knüppelharte Statements eingeholt hatte. 2100 Mark Geldstrafe wurden gegen ihn verhängt, als er zehn Jahre später selbst über die Wunder der Menschwerdung räsonierte: wie könne es kommen, „dass einer, der wahrscheinlich als Mensch geboren wurde, das werden konnte – ein Feldjäger“. Droste kam, dafür gibt es im Saal Augenzeugen, nachweislich als Mensch zur Welt. Und stellte sich fortan der ungleich schwierigeren Aufgabe, das auch zu bleiben. Diese wenigen Pinselstriche genügen bereits, zu zeigen, wir hart es sein kann, einen ausgewachsenen Droste als Mensch durch die Zeit zu bringen. Und trotz aller Gemetzel für ehrliche Augen preiswürdig zu sein.
Wie der Name schon sagt: Wiglaf. Das Lied vom „Boy named Sue“ des für Droste sehr respektablen Johnny Cash erzählt die Geschichte eines vaterlos aufwachsenden Jungen. Ihm wurde der Mädchenname „Sue“ übergeholfen, damit er trotzdem ein harter Killer würde. A boy named Wiglaf folgte diesem Gesetz gleich mit seiner ersten Singleveröffentlichung, dem legendären „Grönemeyer kann nicht tanzen“: Der Mann heißt mit vollem Namen Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer, tatsächlich auch: Wiglev, und das klingt schon stark nach „this town ain’t big enough for the both of us“. Jedenfalls war damit auch der Musiker, Sänger, Rezitator Droste auf der Welt, der später mit dem Spardosen-Terzett, Danny Dziuk, Funny van Dannen musizierte.
Wiglaf durchfurchte schadlos die Schulhofrufe nach westfälisch „Wiechlaff“ oder kurz „Wiggi“. Bei Harry Potter taucht noch ein Wiglaf auf, und in der altsächsischen Beowulf-Sage. Dort ist es der junge schwedische Recke, der dem Titelhelden beim Angriff auf den Drachen als
einziger zur Seite steht. Wäre dies die wahre Wurzel der Benamung, hätte die Familie Droste einen anderen Sohn auch gleich Beowulf nennen können. Was sie taten.
An der Berliner Universität hielt sich Droste knapp länger auf als im Moabiter Knast. Nach 5 Wochen „Publizistik und Kommunikationswissenschaften“ entließ er die Uni in eine ungewisse Zukunft. Im März ’88 beging der taz-Lokalteil den Internationalen Frauentag mit der Abbildung einer Banane in einer Vagina. Was wiederum die weibliche Belegschaft der taz mit einem „Frauenstreik“ beging. Worauf wiederum der just erst angedockte Droste seiner Aufgaben ledig war und sich der Erfindung des Poetry Slams widmen konnte. Nachdem ein Autor im Blatt eine überfüllte Disco als „gaskammervoll“ beschrieben hatte, wofür es damals überraschend keinen Echo-Musikpreis gab, versuchte Droste dem Kollegen beizustehen und kommentierte den Streit als „Endlösung der Dudenfrage“. Im „Cafe Central“ am Nollendorfplatz begründeten die Taz-Dissidenten daraufhin die „Höhnende Wochenschau“, eine papierlose Zeitung, von Autoren tagesaktuell ins Publikum gelesen; Jahrzehnte bevor der moderne „Dichterwettstreit“ der Textindustrie jäh die Milch einschießen ließ.
„Kommunikaze“ betitelte er sein erstes Buch um diese Zeit herum; da es inzwischen über dreißig sind, könnte man ihm auch einen Literaturpreis nur für die besten Buchtitel verpassen: „Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses“, „Die schweren Jahre ab 33“, „Auf sie mit Idyll“
oder „Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“. Das riecht nach Erfolg, die „Zeit“ adeltadelte Droste als „linksradikale Skandalnudel“ und „Heimatdichter der linken Szene“. – Sowas konnte nicht ungesühnt bleiben. In die „Titanic“ drosch Droste seinen Text vom „Schokoladenonkel“, plädierte wuchtig, nicht jeden Mann mit Schokolade am Kinderspielplatz zum Sexverbrecher hochzufiebern. Und reichte damit recht eigentlich den mäßigenden Stimmen in der Mißbrauchsdebatte ritterlich den Arm. Buttersäureanschläge, Mahnwachen, Schlägereien bei Lesungen, Steckbriefe, drei Veranstaltungen gesprengt, zwei Veranstalter kniffen. Wiglaf musste hinnehmen, dass er, der erfahrene Beamten- und Bundeswehrbeleidiger, unter Saalschutz las. Er ficht mit dem Säbel, sticht mit dem Florett, schreiben Rezensenten, und zugleich bestaunt man die jähe Wut, die aus Droste hervorbricht, wenn der Rest der Welt gesinnungsgemütlich im Eigenmief dämmert. Er ist eben kein Kirmesschläger, der sich vom Gaudium des Publikums zum Schlachtfest anstacheln ließe. Wo andere zaghaft ein Fenster spaltbreit öffnen, springt er hindurch, und was dann hinterher blutet, ist nicht selten er selbst. Warum er das tut – Gewalt wittert, wo andere noch schunkeln; gewaltig austeilt, wo der sanfte Ordnungsruf als Hochliteratur gilt – das wurzelt in Wiglafs Wissen um Verletzung. Droste mag, wie die „Süddeutsche“ schrieb, „der Tucholski unserer Tage“ sein – ganz sicher beherrscht er die Zärtlichkeit des Holzhammers, ist ein Hooligan der Inbrunst, und manchmal leider untröstlich und selbstzerstörerisch im falschen Trost. Sehen Sie Wiglaf Droste in seiner Lebensrolle: „Der Unumarmbare“.
Doch morgens um sechs ist die Welt noch in Dortmund. Womit die abseitigen Neigungen des Preisträgers in einer Nussschale summiert sind: Borussia Dortmund, Wortspiele, und früh aufstehen. Ein Mann, der unverdrossen einen BVB-Anstecker an allen Konfektionsgrößen seines diesbezüglich abwechslungsreichen Lebens getragen hat, erlebt den Ballspielverein als eine Welt des guten Glaubens und der Hoffnung auf auch in dieser Höhe verdiente Auswärtssiege – leider in den Händen der falschen Geschäftsführung. Das ähnelt Wiglafs Blick auf den Rest des Universums. Mitunter noch vor sechs Uhr gibt er sich die Ehre, den ersten Sonnenstrahl eines liebevollen Gedankens ungehemmt durch sich hindurch auf’s Papier fluten zu lassen: Über gutes Essen, über wundervolle Frauen. Oder er räumt umsichtig einen aktuellen Sprachunfall von der Straße, noch bevor wir daran verunglücken können. Oder er liebt einfach: Peter Hacks, Dashiell Hammett, Vincent Klink oder den großen Mitelch Harry Rowohlt. Dessen ehernes Gesetz, wonach man sich dereinst für jeden ausgelassenen Kalauer vor Gott zu verantworten habe, reicht Wiglaf großzügig an Freunde aus, ein Rettungsring für strauchelnde Dichter. Droste selbst, das sei bitte durch die heutige Würdigung mitbeschieden, macht keine Kalauer; vielmehr werden durch ihn Formulierungen zu Drostizismen. Klassiker wie die von den „leider nicht mehr sterblichen Gefährten“ wie eben Rowohlt, Meisterschmähungen gegen eine Welt voller „Friseure, die sich für Gehirnchirurgen“ ausgeben. Und köstlich, wenn das von Wiglaf Gemeinte sich Bahn bricht aufs Papier ohne Rücksicht auf den dann lächerlichen Umstand, dass es diese Worte vorher noch gar nicht gegeben hat: „gneisen“, oder „jabbeln“ schrieb er – nein, er „schrub“, oder wie Sigmar Gabriel „vor sich hin leberwurstet“, oder eben Feldjäger mit „Waschbrettköpfen“. In seiner dann plötzlich letzten Kolumne in der taz beschrieb er diesen göttlichen Moment der Wortwerdung: „Es kam aus dem Leben selbst zu mir, legte sich auf meine Zunge und verlangte, als Wort geboren zu werden. Ich erfüllte dem Wort seinen Wunsch, sprach es aus und entließ es in die Welt: Trittbrettficker“. Die Kolumne erschien dann bereits in der „Jungen Welt“, für deren Feuilleton er seither fest frei schreibt. Die Wuchtschmähung „Trittbrettficker“ münzte er auf die „Gesellschaft für deutsche Sprache“, der als „Wort des Jahres 2006“ nur „Fanmeile“ eingefallen war. Wiglaf hingegen ist der Solitär für deutsche Sprache, ein „Häuptling Eigener Herd“ im Sprechen und Schreiben wie im Speisen. Mit Vincent Klink versah er diese Papier gewordene Appetitlichkeit viele Jahre, dichtete über Wurst, Wein, Weihnachten. Die „kulinarische Kampfschrift“ erschien so „vierteljährlich wie möglich“, denn man kann nichts schreiben, was man nicht gegessen hat. Da schwärmt der drastische Droste, dichtet Hymnen, lässt einem Wasser in Mund und Augen treten. Hier also umarmt Wiglaf Droste – in der Kunst, in der Literatur, der Musik, in der Küche und im Lieben und im Leben. An diesen Mut zum Guten, den Wiglaf vorlebt, werden wir uns heute tapfer und unerschrocken halten. Wir wissen, dass Nähe für den diesjährig zu Elchenden kein leichtes Geläuf ist. Doch was bleibt uns, wenn wir das Glück haben, einem Großen zu begegnen, auch wenn er jeden Hauch eines falschen Tons der Nähe nachgerade drostoid wegzurempeln versteht ? Wir schulden es ihm, was immer daraus folgen mag. Es muss ja doch gesagt werden: Lieber Wiglaf, Du bist ein Großer – komm irgendwie damit klar! Herzlichen Glückwunsch zum Göttinger Elch an Wiglaf Droste.