Gesamtprogramm

1945
Als die Amerikaner die Lager entdeckten

Zwei Kriegskorrespondenten gehörten zu den ersten, die die nationalsozialistischen Konzentrationslager betraten: Der US-amerikanische Schriftsteller und Journalist Meyer Levin und der französische Fotograf der Nachrichtenagentur AFP Éric Schwab. Beide folgten in einem Jeep der Vorhut der US-Armee und beide befanden sich auf der Suche: Der erste suchte das, was von der jüdischen Welt übrig geblieben war, der zweite suchte seine deportierte Mutter. Was sie vorfanden, zerstörte all ihre Hoffnungen, aber sie dokumentierten die ersten Momente der Entdeckung jenes Verbrechens, dessen Schockwellen die Welt erschüttert haben.

Die Untiefen des Postkolonialismus

Die zentralen Herausforderungen für die Erinnerung an den Holocaust scheinen inzwischen weniger von rechts als von links zu kommen. Insbesondere von postkolonialer Seite wird die Vernichtung der europäischen Juden regelmäßig relativiert. Während die rechten Versuche, die Präzedenzlosigkeit des Holocaust in Frage zu stellen, völlig zu Recht große Empörung nach sich ziehen, sind die postkolonialen Anwürfe akzeptierter Bestandteil der Debattenkultur. In den Beiträgen dieses Jahrbuchs wird dieser Entwicklung sowie den Hintergründen, Ursachen und Dynamiken der postkolonialen Auseinandersetzung mit dem Holocaust nachgegangen.

Chaos, Glück und Höllenfahrten
Eine autobiographische Schnitzeljagd

Wiglaf Droste hat Zeit seines Lebens immer wieder autobiographische Erzählungen verfasst, die verstreut veröffentlicht wurden, zusammen aber eine Schnitzeljagd durch sein wildes Leben ergeben.

Multikulturelle Gesellschaft & Rassismus für den gehobenen Bedarf
Zwei Vorträge

»Im Maße, wie eine verblödende Gesellschaft sprachlos wird, werden die Texte und Reden mit der Vokabel Kultur gespickt, wobei es sich mit der Kultur wie mit dem Geld verhält, über das man redet, wenn man es nicht besitzt. Zumal in Deutschland erkennt man den Banausen am besten daran, daß er sich selbst für gebildet hält und die Kultur für eine äußerst wichtige und bedeutende Sache.« (Wolfgang Pohrt)
Zwei Texte, die den Blick auf die aktuellen Debatten in der Gesellschaft schärfen.

Terrorsprache
Aus dem Wörterbuch des modernen Unmenschen

Es herrschen Parole und Gestammel, formatiert, entleert und gemein. Das »Wörterbuch des modernen Unmenschen« will helfen, aus der Phrase wieder in die Sprache, aus dem Reflex wieder in den Gedanken zu finden. Wer sich denunziert findet, ist eingeladen, nach den Gründen zu suchen.

Selbstporträt in Schwarz und Weiß
Unlearning Race

Eine Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie wir uns selbst sehen und definieren. »Selbstporträt in Schwarz und Weiß« ist die Geschichte einer amerikanischen Familie, die sich über mehrere Generationen hinweg verändert auf ihrer Suche nach dem, was es heißt schwarz zu sein, und dem, was als weiß angenommen wird.

Werke Band 8.2
Brothers in Crime. Die Menschen im Zeitalter ihrer Überflüssigkeit

Über die Auflösungstendenzen der Gesellschaft: Schon 1992 hatte Pohrt unter Berufung auf den Horkheimer-Satz, wonach die gesellschaftliche Herrschaft »aus ihrem eigenen ökonomischen Prinzip heraus in die Gangsterherrschaft« übergehe, die aktuelle Entwicklung beschrieben.

Furchtbare Juristen
Die unbewältigte Vergangenheit der deutschen Justiz

Hardcover-Neuausgabe des instruktiven Standardwerks über die unrühmliche Geschichte der deutschen Justiz.

»Eine ebenso glänzende wie niederdrückende Bilanz, ein beklemmendes Buch, das alle Ilusionen zerstäubt.« Die Zeit

»Ein aufregendes Buch, eine beschämende Lektüre.« Der Spiegel

Follow the science?
Ein Plädoyer gegen wissenschaftsphilosophische Verdummung und für wissenschaftliche Artenvielfalt

Was tun gegen Verschwörungstheorien, Klima-Leugner, Corona-Zweifler, Fake News, Wissenschafts-Skepsis, Pseudowissenschaften und Obskurantismus? Follow the science! Aber welcher Wissenschaft? Nur schon diese Frage zu stellen, scheint riskant: Denn führt sie nicht auf direktem Wege in die Fänge der merchants of doubt, welche die Autorität der Wissenschaft leichtsinnig in Frage stellen und nicht müde werden zu betonen, dass es in der Wissenschaft zu jeder Meinung eine Gegenmeinung gibt und Wissenschaft eben auch nur ein Glaube unter anderen ist – und nicht unbedingt der beste?

Generation Beleidigt
Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei. Über den wachsenden Einfluss linker Identitärer. Eine Kritik

Fourests Buch wird »stündlich aktueller. Es ist das Buch zum Verständnis einer Debatte, die aus dem Ruder gelaufen ist. Doch wem nützt es, stets auf die ethnische Zugehörigkeit von Menschen zu verweisen, um darüber zu bestimmen, wer im öffentlichen Diskurs die Stimme erheben darf? Wie sinnvoll ist das? Und wohin führt es?« (Johanna Adorján, Süddeutsche Zeitung)