Theorie

Der Trubel um Diversität
Wie wir lernten, Identitäten zu lieben und Ungleichheit zu ignorieren

Michaels behauptet in »Der Trubel um Diversität«, dass unsere Fokusierung auf die »Differenz« den Unterschied außer Acht lässt, auf den es wirklich ankommt: den Unterschied zwischen Reichen und Armen. Respektlos nimmt Walter Benn Michaels sich die vielfältigen Ausprägungen unserer Besessenheit vor – Affirmative Action, Multikulturalismus, Kulturerbe und Identität – und zeigt, dass Diversität keine Voraussetzungen für soziale Gerechtigkeit schafft. In einer Absage sowohl an die Linke als auch an die Rechte fordert er, wir möchten uns weniger um die unwichtigen Unterschiede der Kulturen kümmern als um das wirkliche Missverhältnis der Klassen und die Verteilung des Reichtums.

Ein nahezu perfekter Täter
Die Konstruktion des weißen Sündenbocks

Der Fall der Berliner Mauer hat die europäische Linke in Ratlosigkeit gestürzt. Auf dem Kampffeld der Ideen sind Fortschritt, Freiheit und Universalismus einer neuen, aus den USA importierten Triade gewichen: Geschlecht, Identität, “Rasse”. Progressive kämpften einst im Namen der Arbeiterklasse, der Dritten Welt und der Verdammten dieser Erde. Heute dominieren die Diskurse des Neofeminismus, Antirassismus und Postkolonialismus, die den weißen Mann als Feind auserkoren haben. Seine Anatomie macht ihn zum geborenen Raubtier, seine Hautfarbe zum Rassisten, seine Macht zum Ausbeuter aller »Unterdrückten«.

Wir Kleinbürger 4.0
Die neue Koalition und ihre Gesellschaft

Sichtbar wird das Kleinbürgertum immer erst, wenn es verhaltensauffällig wird, wenn es sich aus der bequemen und biederen Mitte an die Ränder begibt, mal auf die Seite der Revolte, meistens jedoch auf die Seite der Reaktion. Sichtbar wurde das deutsche Kleinbürgertum wieder einmal durch die Bewegung nach rechts in der Krise und durch die fundamentale Spaltung der Gesellschaft.

Der Kollaps der Modernisierung
Vom Zusammenbruch des Kasernensozialismus zur Krise der Weltökonomie

Das Buch ist 1991 erschienen, also vor genau 30 Jahren. »Soviel Ende war nie.« Mit diesem Satz beginnt eine furiose Analyse der Weltökonomie am Ende des 20. Jahrhunderts. Und was niemand mehr für möglich gehalten hätte: die theoretische Keimzelle, aus der Robert Kurz seine Auseinandersetzung entwickelt, ist die politische Ökonomie eines gewissen Karl Marx. Es ist verblüffend zu sehen, welche analytische Kraft nach wie vor in diesem Konzept steckt, wenn ein überlegener Kopf damit arbeitet. Mit ihm fällt nicht nur auf das Ende des »real existierenden Sozialismus« ein neues Licht, sondern auch auf seine Zerfallsprodukte.

Werke Band 9
FAQ – Frequently Asked Questions 2004

Der 3. Oktober 2003 war einem Berliner Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Anlass, eine Veranstaltung mit Pohrt und Broder zu organisieren. (Die Debatte zwischen den beiden wurde in dem vorliegenden Band dokumentiert.) Man hatte sich Zuspruch und Bestätigung von ihm erhofft, eindringliche Appelle des Inhalts etwa, dass man nicht nachlassen dürfe im Kampf gegen deutsche Eigenheiten wie Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus etc. Umso größer die Enttäuschung, als Pohrt die aktuelle Gefährlichkeit solcher Feinde und damit die Notwendigkeit des Kampfes gegen sie in Zweifel zog.

Die Untiefen des Postkolonialismus

Die zentralen Herausforderungen für die Erinnerung an den Holocaust scheinen inzwischen weniger von rechts als von links zu kommen. Insbesondere von postkolonialer Seite wird die Vernichtung der europäischen Juden regelmäßig relativiert. Während die rechten Versuche, die Präzedenzlosigkeit des Holocaust in Frage zu stellen, völlig zu Recht große Empörung nach sich ziehen, sind die postkolonialen Anwürfe akzeptierter Bestandteil der Debattenkultur. In den Beiträgen dieses Jahrbuchs wird dieser Entwicklung sowie den Hintergründen, Ursachen und Dynamiken der postkolonialen Auseinandersetzung mit dem Holocaust nachgegangen.

Rasende Mitläufer, kritische Opportunisten
Porträts, Essays, Reportagen, Glossen

Im Herbst 1987, ein halbes Jahr nach seinem Tod, erschien in der Edition Tiamat ein Band mit Schultz-Gersteins Artikeln, dem damals glänzendsten Journalisten in der Kulturszene. Nun erscheint eine erweiterte Ausgabe seiner journalistischen Arbeiten. Über den pastoralen Singsang Peter Handkes und das Evangelium des kritischen Opportunisten Botho Strauß, über eine Vatertagstour durch den Raketenwald, über die Offizierskasino-Bildung Marcel Reich-Ranickis und ein Gespräch mit Jean Améry über den Selbstmord.

Multikulturelle Gesellschaft & Rassismus für den gehobenen Bedarf
Zwei Vorträge

»Im Maße, wie eine verblödende Gesellschaft sprachlos wird, werden die Texte und Reden mit der Vokabel Kultur gespickt, wobei es sich mit der Kultur wie mit dem Geld verhält, über das man redet, wenn man es nicht besitzt. Zumal in Deutschland erkennt man den Banausen am besten daran, daß er sich selbst für gebildet hält und die Kultur für eine äußerst wichtige und bedeutende Sache.« (Wolfgang Pohrt)
Zwei Texte, die den Blick auf die aktuellen Debatten in der Gesellschaft schärfen.

Werke Band 8.2
Brothers in Crime. Die Menschen im Zeitalter ihrer Überflüssigkeit

Über die Auflösungstendenzen der Gesellschaft: Schon 1992 hatte Pohrt unter Berufung auf den Horkheimer-Satz, wonach die gesellschaftliche Herrschaft »aus ihrem eigenen ökonomischen Prinzip heraus in die Gangsterherrschaft« übergehe, die aktuelle Entwicklung beschrieben.

Werke Band 8.1
Harte Zeiten. Texte 1992-1997

Wie wenn zwischen der geographischen und der politischen Gestalt ein gesetzmäßiger Zusammenhang bestünde, nahm die Bundesrepublik im Maße, wie sie auf der Landkarte wieder mit dem deutschen Reich kongruierte, auch dessen Wesenszüge an. Was als Rückfall in die Vorgeschichte erschien, war die Konsequenz des Fortschritts. Geändert hat sich seither nur, daß die Entwicklung an Stetigkeit gewann, was sie an Dynamik verlor.