Theorie

Die Untiefen des Postkolonialismus

Die zentralen Herausforderungen für die Erinnerung an den Holocaust scheinen inzwischen weniger von rechts als von links zu kommen. Insbesondere von postkolonialer Seite wird die Vernichtung der europäischen Juden regelmäßig relativiert. Während die rechten Versuche, die Präzedenzlosigkeit des Holocaust in Frage zu stellen, völlig zu Recht große Empörung nach sich ziehen, sind die postkolonialen Anwürfe akzeptierter Bestandteil der Debattenkultur. In den Beiträgen dieses Jahrbuchs wird dieser Entwicklung sowie den Hintergründen, Ursachen und Dynamiken der postkolonialen Auseinandersetzung mit dem Holocaust nachgegangen.

Multikulturelle Gesellschaft & Rassismus für den gehobenen Bedarf
Zwei Vorträge

»Im Maße, wie eine verblödende Gesellschaft sprachlos wird, werden die Texte und Reden mit der Vokabel Kultur gespickt, wobei es sich mit der Kultur wie mit dem Geld verhält, über das man redet, wenn man es nicht besitzt. Zumal in Deutschland erkennt man den Banausen am besten daran, daß er sich selbst für gebildet hält und die Kultur für eine äußerst wichtige und bedeutende Sache.« (Wolfgang Pohrt)
Zwei Texte, die den Blick auf die aktuellen Debatten in der Gesellschaft schärfen.

Werke Band 8.2
Brothers in Crime. Die Menschen im Zeitalter ihrer Überflüssigkeit

Über die Auflösungstendenzen der Gesellschaft: Schon 1992 hatte Pohrt unter Berufung auf den Horkheimer-Satz, wonach die gesellschaftliche Herrschaft »aus ihrem eigenen ökonomischen Prinzip heraus in die Gangsterherrschaft« übergehe, die aktuelle Entwicklung beschrieben.

Werke Band 8.1
Harte Zeiten. Texte 1992-1997

Wie wenn zwischen der geographischen und der politischen Gestalt ein gesetzmäßiger Zusammenhang bestünde, nahm die Bundesrepublik im Maße, wie sie auf der Landkarte wieder mit dem deutschen Reich kongruierte, auch dessen Wesenszüge an. Was als Rückfall in die Vorgeschichte erschien, war die Konsequenz des Fortschritts. Geändert hat sich seither nur, daß die Entwicklung an Stetigkeit gewann, was sie an Dynamik verlor.

Follow the science?
Ein Plädoyer gegen wissenschaftsphilosophische Verdummung und für wissenschaftliche Artenvielfalt

Was tun gegen Verschwörungstheorien, Klima-Leugner, Corona-Zweifler, Fake News, Wissenschafts-Skepsis, Pseudowissenschaften und Obskurantismus? Follow the science! Aber welcher Wissenschaft? Nur schon diese Frage zu stellen, scheint riskant: Denn führt sie nicht auf direktem Wege in die Fänge der merchants of doubt, welche die Autorität der Wissenschaft leichtsinnig in Frage stellen und nicht müde werden zu betonen, dass es in der Wissenschaft zu jeder Meinung eine Gegenmeinung gibt und Wissenschaft eben auch nur ein Glaube unter anderen ist – und nicht unbedingt der beste?

Der eingebildete Rassismus
Islamophobie und Schuld

Seit mehr als dreißig Jahren macht der Begriff der »Islamophobie« jedes kritische Wort gegen den Islam zunichte. Er verbietet den Menschen im Westen den Mund und disqualifiziert die reformerischen Muslime. Eine große Religion wie der Islam ist nicht auf ein Volk reduzierbar, denn seine Berufung ist universell. Ihm die kritische Prüfung zu ersparen, der das Christentum und das Judentum sich seit Jahrhunderten unterziehen, hieße, ihn in seinen gegenwärtigen Schwierigkeiten einzuschließen. Und seine Gläubigen für immer zu Opfern zu verurteilen, die jedweder Verantwortung für die in seinem Namen verübten Verbrechen enthoben bleiben.

Die Erotik des Ohrs
Musikalische Erfahrung und Emanzipation nach Adorno

Vom Kreis der Kritischen Theorie ist am Ende nur ein Alleinunterhalter übriggeblieben: Adorno. Dieser Sonderling hat fern von Frankfurt in Wien, New York, Los Angeles und Darmstadt eine eigene Geheimwissenschaft gegen musikalischen Gehorsam und erotisches Ressentiment begründet. Bei Horkheimer ist Emanzipation noch Sache der Politik, bei Adorno eine Frage der Kultur.

Werke Band 6
Der Weg zur inneren Einheit. Elemente des Massenbewusstseins BRD 1990

Diese soziologische Studie ist ein Expeditionsbericht zu den tieferen Bewußtseinsschichten der Deutschen im Jahr 1990. Wolfgang Pohrt untersuchte die Entwicklungstendenzen eines Massenbewußtseins in der Umbruchphase und sondiert die Chancen für einen neuen Faschismus.

Werke Band 1
Theorie des Gebrauchswerts, Seminarpapiere & Texte (1969-1980)

Enthält Pohrts theoretisches Hauptwerk »Die Theorie des Gebrauchswerts« (1995), sowie die ursprüngliche Fassung von 1976, seine frühen Texte über »Arbeit und Faulheit« und »Arbeiter und Kleinbürger«, sowie Vorträge über Jugendsoziologie, Sozialisationstheorie, über »Ten Years After« 1967 und über Émile Durkheims Regeln.

Werke Band 4
Kreisverkehr, Wendepunkt & Stammesbewußtsein, Kulturnation & Texte (1982-1984)

Entlastung für Auschwitz * Lebensschutz und Nationalpolitik * Volkssturm oder Emanzipationsbewegung * Der Krieg als wirklicher Befreier und wahrer Sachwalter der Menschlichkeit * Der Rechtsradikalismus und die Linke * Die Rebellion der Heinzelmännchen * Die Aktualität der Theorie von Karl Marx * Antiamerikanismus, Antiimperialismus * Über Adorno, Enzensberger, Sloterdijk, Hans-Jürgen Boock, Günther Anders, Yves Montand * Und andere unveröffentlichte Texte.