Critica Diabolis 303
Paperback
ca. 160 Seiten
ca. 16.- Euro
ISBN 978-3-89320-286-7
Erscheinungsdatum März 2022
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»Die Frauen haben sich schlecht beraten lassen, als sie anfingen zu glauben, daß alles, was Frauen denken, sprechen, schreiben und arbeiten, unter dem Aspekt einer neuen Weiblichkeit für die Emanzipation brauchbar, wenn nicht gar gut sei.« (Die Schwarze Botin)

Scheint das Potenzial universaler Emanzipationsbestrebungen ausgeschöpft, folgt auf das alte Ärgernis der Benachteiligung das neue der Diskriminierung, die, weil sie rein subjektiv in den Blick genommen wird, überall gefunden werden kann. Mit dem inflationären Verweis auf ausgegrenzte und neuerdings »unsichtbare« Minderheiten, vervielfältigen sich auch die omnipotenten Geschlechterphantasien und werden einem progressiven Sinn anverwandelt. Als irgendwie queer – das heißt: divers, einzigartig und subversiv – will inzwischen jeder den Partikeln seines zerfallenen Selbst unbezweifelbar authentische Subjektivität zuschreiben. Doch ist kein Mensch identisch mit sich selbst. Kämpfte die erste Frauenbewegung noch für die Subjektwerdung der Frau, so gilt sie ihren queerfeministischen Adepten nunmehr als List, die im Kanon der Dekonstruktion von Differenz, Geschlecht und Identität aufzulösen sei. Die Hoffnung der Frauen, der Leere zu entkommen, die mit der weiblichen Emanzipation einhergeht, hat sie immer wieder in die Bredouille avantgardistisch anmutender Theorien geführt, die unterm Strich mehr als religiöses Bedürfnis nach der verzerrten Darbietung der Welt denn als genuiner Fortschritt imponieren.