Critica Diabolis 304
Paperback
112 Seiten
16.- Euro
ISBN 978-3-89320-287-4
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Anders als noch im 19. Jahrhundert, in dem der Zusammenhang zwischen Seuchen und Slums Sozialkritiker auf den Plan rief, fühlen sich heute jene besonders kritisch, die die epidemiologisch sich geltend machende Einheit des Menschengeschlechts vor der Krankheit abtun oder gleich leugnen. Die absolute Freiheit, um die es diesen Kritikern zu tun ist, ist nur noch unzureichend als politische Manifestation zu deuten, vielmehr muss sie als Ausdruck eines spezifischen Sozialcharakters gelten, dessen Selbstbezüglichkeit, die die Krankheit lediglich als Kränkung wahrnimmt, die postindustrielle Gesellschaft selbst befördert: indem sie Konkurrenz verabsolutiert und zugleich das Trugbild der Definitionsmacht des Einzelnen über Natur (auch die eigene) und Gesellschaft stiftet. Die Virulenz der Epidemie trifft auf die Ignoranz allzu vieler Narzissten. Nur Einschränkung dieser doppelten Freiheit, der ökonomischen wie mentalen – Milliarden Menschen weiterhin als Überschuss vegetieren zu lassen einerseits und die Folgen selbstherrlich zu negieren andererseits –, wäre die einzig vernünftige Konsequenz.

Pressestimmen

»Nicht nur auf Freud und Marx stützt sich der Autor, son­dern zieht neben wei­te­ren Theo­rie­grö­ßen wie Georg Lukács und Han­nah Arendt auch zeit­ge­nös­si­sche Autoren wie den Jour­na­lis­ten und Schrift­stel­ler Dani­el Schulz sowie den Sozio­lo­gen Mike Davis her­an. […] Zuwei­len nach­voll­zieh­bar pole­misch gegen­über der augen­schein­lich schlech­ten Ein­rich­tung der Gesell­schaft ist die­ser Text ein scharf­sin­nig argu­men­tier­ter, ver­ständ­lich for­mu­lier­ter und wis­sen­schaft­lich gut unter­füt­ter­ter Essay, den es sich zu lesen lohnt.« (Larissa Kunert, ND)

»Was haben wachsende Slums afrikanischer und asiatischer Metropolen mit hiesigen Corona-Leugnern zu tun? Sehr viel, behauptet Uli Krug in seinem Essay. Denn beide seien Ergebnis globaler Produktionsbedingungen.« (Bodo Morshäuser, DLF Kultur)