Schwaben, Schwafler, Ehrenmänner

Mal sitzt er mit dem Sterne-Koch Vincent Klink hoch über der Stadt, um mit Blick auf den Stuttgarter Talkessel die Welt zu erörtern. Mal geht er in seinen Cowboystiefeln durch Brooklyn, um im Hudson River die Wahrheit über seine schwäbische Heimat zu finden. Mal rückt er die Werbung für das milliardenschwere Bahnprojekt »Stuttgart 21« zurecht: »Das neue Herz Europas klopft am Arsch der Welt.« Joe Bauer ist hauptberuflicher Spaziergänger und Straßenbahn-Herumfahrer und stellt scharfe Beobachtungen an. Keiner hat je zuvor über den Leichenschmaus im Degerlocher Gasthaus Fässle für die in Stuttgart beerdigten RAF-Terroristen Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Andreas Baader berichtet. In Degerloch, wo sich Fischköpfe, Bayern und Preußen gern auch mal »im Degerloch« wähnen, findet für den Autor der Terror auch auf andere Art statt: Seit 30 Jahren ist er Anhänger der hier beheimateten Stuttgarter Kickers, die er, vom Schwabenstress masochistisch gehärtet, auf dem Weg nach unten begleitet. Seine Handschrift ist ein Mix aus etwas Pathos und Sarkasmus.

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