Critica Diabolis 289
Broschur
144 Seiten
14.- Euro
ISBN 978-3-89320-271-3
Bestellen

Sprache wird immer unmenschlicher. Begeistert, mindestens reflexhaft übernehmen die Zeitgenossen, auch die akademisch gebildeten, die Sprach- und Sprechbausteine der Apparate, des Frühstücksradios, der Sportsendung, der Werbung; und also reden sie, wie das Reklameradio und all die anderen Agenturen der Verblödung reden. Von Wortschatz will man, tagtäglich zugemüllt von Knallervokabular wie lecker, mega, nachvollziehen und alles gut, im Ernst nicht mehr reden.

Über Orwell wissen sie alle immer Bescheid, aber wie doppelplusgut sie daherschwätzen, dafür fehlt ihnen genau jener Sinn, den die konforme als Terrorsprache liquidiert. »Nur, was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen für verständlich; nur das in Wahrheit Entfremdete, das vom Kommerz geprägte Wort berührt sie als vertraut«, wusste Adorno, und also werden Kinder selbstverständlich zu Kids und Mädchen natürlich zu Mädels, und wer so spricht, ist einverstanden, auch wenn er, als Wutbürger oder wenigstens kritische Zeitungsleserin, vom Gegenteil überzeugt ist.

Pressestimmen

»Kein Zweifel: Gärtner kann schreiben … Frech und aggressiv, und lustig ist er auch.« (FAZ)

»Sprachkritik als Gesellschaftskritik. Stefan Gärtner weiß dabei freilich, wie hoch für ihn in der Nachfolge von Karl Kraus und Adorno die Latte hängt. Was ihn zum Glück nicht dazu gebracht hat, nach Art der beiden kritischen Großmeister in komplizierter Prosa reihenweise apodiktische Urteile zu fällen. Gärtner ist da zurückhaltender, lässiger auch, aber gleichwohl prägnant. Es ist das so flotte wie besinnungslose Geschwätz von Mittelschicht und bürgerlicher Presse, das Gärtner überzeugend enttarnt und ans schwarze Brett der Terrorsprache heftet.« (Ferdinand Quante, WDR 3)

»Was Gärtner zu bedenken gibt, ist Folgendes: Menschen, die berufsmäßig mit Sprache umgehen, behandeln diese offensichtlich so lieb- und achtlos, dass sie verkümmert. In der Folge führt das zu einem Verlust des Unterscheidungsvermögens. Das kann man alles für kulturkritisches Gejammer halten, es ist aber eben genau dann eine materialistische Frage, wenn immer nur noch das gröbste Werkzeug bereitsteht und also der Nagel mit der Abrissbirne in die Wand geschlagen werden soll. Denn Sprache in all ihren Feinheiten soll dazu dienen, die menschlichen Verhältnisse, die nicht weniger fein und diffizil sind, selbsttätig zu ordnen.« (Jakob Hayner, Neues Deutschland)

»Gärtner, ehemaliger Titanic-Redakteur, jetzt Kolumnist in linken Organen und in seiner sensiblen Schärfe sowie Treff- und Geschmackssicherheit einer der zustimmungsfähigsten Autoren unserer Zeit, hat gegen ebendiese allerhand auf dem Herzen und ist nicht gerade das, was man „systemkonform“ nennen könnte. Trittsicher, aber konsequent nur nach oben, gegen die meinungs- und bewusstseinsbildende Klasse, analysiert er auf dem Fundament des dialektischen Materialismus und mit Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Karl Kraus, Adorno und Henscheid auf Tuchfühlung den Sprachgebrauch, der ihm in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen so unterkommt. Dabei macht er, ganz ohne Erbsenzählerei, reichliche Beute.« (Edo Reents , FAZ)

»Gärtners ›Terrorsprache‹ hat die Form eines Glossars, mit Stichwörtern wie ›lecker‹, ›dramatisch‹, ›alles gut‹. Und es nimmt den Unterschied zwischen dem öffentlichen und dem privaten, dem politischen und dem medialen Sprechen schon deshalb nicht allzu wichtig, weil anscheinend alles auf den gleichen Effekt hinausläuft: Wer einen Sachverhalt, ein Ursache-Wirkung-Verhältnis, ein Gefühl nicht anschaulich beschreibt, der kann mal zu faul, mal zu dumm, mal zu böse dafür sein. Es wird aber immer damit enden, dass, was nicht beschrieben werden kann, erst recht nicht verstanden und schon deshalb nicht verändert wird. So bezeugt jede Floskel, jede Phrase ein Einverstandensein, das sich seiner selbst nicht einmal bewusst ist.« (Claudius Seidl, FAS)

»Kühl auf den Punkt gebrachte Sottisen.« (Sky Nonhoff, SR 2)