Theorie des Gebrauchswerts

Mag der Arbeiter auch halbwegs komfortabel versorgt sein, so verfügt er doch nur über Almosen statt über Gebrauchswerte, weil ihm die wesentliche Gebrauchswertqualität der gegenständlichen Welt, Domäne seines Willens zu sein, verschlossen bleibt. Was er mehr besitzt als die Gegenstände seiner kreatürlichen Bedürftigkeit, kann er als Objekt eines fremden Willens im Wortsinn nicht gebrauchen, selbst wenn er der juristische Eigentümer ist. Es ist dieser eigentlich triviale Sachverhalt, der alle subjektiv gutgemeinten Bemühungen sozialdemokratischer Stadtplaner, die Arbeiter mit “humaner” Architektur zu beglücken, in einem Desaster scheitern läßt. Die Verblüffung darüber ähnelt stets der naiven Frage an den verwöhnten Sklaven, an die verwöhnte Gattin oder das verwöhnte Kind, warum sie denn in aller Welt nicht glücklich seien, wo sie doch alles besäßen.
Um so erstaunlicher ist solche Ignoranz, als die Bürger die Ohnmacht, die dem Menschen selbst den Komfort vergällt, am eigenen Leib erfahren haben. Eine überarbeitete Neuauflage der 1976 erschienenen und seit langem vergriffenen Studie, erweitert um Texte über “Vernunft und Geschichte bei Marx” und “Wegwerfbeziehungen”, einem Versuch über die Zerstörung der Gebrauchswerte.

Bücher in der Edition Tiamat: