Critica Diabolis 168
Paperback
144 Seiten
14.- Euro
ISBN 978-3-89320-135-8
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Dorothea Ridder ist Mitbegründerin der Kommune 1. Wenngleich nicht so bekannt wie Teufel, Kunzelmann oder Langhans, ist ihr Lebenslauf nicht weniger spannend, aufregend, sperrig. Sie machte am frisch gegründeten antiautoritären Kinderladen als »Spielfrau« mit und arbeitete als Animierdame in Nachtbars, um sich das Studium zu finanzieren. Für sie ist damals die Revolution nie Selbstzweck, sie benutzt sie nicht zur Reklame in eigener Sache, sondern hält am sozialen Projekt fest, das einmal der Ausgangspunkt für das Aufbegehren gegen die deutsche Nachkriegsgesellschaft war. Sie studiert 1969 Humanmedizin und organisiert später eine Wohnung für eine RAF-Fälscherwerkstatt. Dafür sitzt sie ein Jahr in Isolationshaft. Anfang der Achtziger eröffnet sie eine Gemeinschaftspraxis und läßt sich als Ärztin in Berlin nieder. Sie korrespondiert mit dem RAF-Gefangenen Manfred Grashof und heiratet ihn im März 1984.
Im Juni 1997 erleidet sie einen schweren Schlaganfall, sie muß ihre Praxis auflösen, lebt seither im Ruhestand und versucht langsam, sich an ihre verschüttete Erinnerung heranzutasten.
Gabriele Goettle rekonstruiert in Gesprächen mit Freunden Dorothea Ridders nicht nur das Leben einer Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat, sondern einer ganzen Generation, deren Welt sich um so mehr zu entfernen scheint, je mehr über sie geschrieben wurde. Gabriele Goettle macht das auf ihre zurückhaltende Art, die typisch für ihre Reportagen ist.

Pressestimmen

»Der simulierten Welt falscher Einverständnisse begegnet diese Autorin mit einem ganz eigenen Ton. Sie zeigt nicht nur, daß es noch Geschichten gibt und wie merkwürdig es um die Welt steht. Sie zeigt … unsere große Fremdheit.« (Frank Schirrmacher, FAZ)

»Goettle erforscht, was dem Blick der Medien und Sozialwissenschaftler entgeht.« (stern)