Critica Diabolis 294
Hardcover
304 Seiten
26.- Euro
ISBN 978-3-89320-276-8
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Der 3. Oktober 2003 war einem Berliner Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Anlass, eine Veranstaltung mit Pohrt und Broder zu organisieren. (Die Debatte zwischen den beiden wurde in dem vorliegenden Band dokumentiert.) Man hatte sich Zuspruch und Bestätigung von ihm erhofft, eindringliche Appelle des Inhalts etwa, dass man nicht nachlassen dürfe im Kampf gegen deutsche Eigenheiten wie Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus etc. Umso größer die Enttäuschung, als Pohrt die aktuelle Gefährlichkeit solcher Feinde und damit die Notwendigkeit des Kampfes gegen sie in Zweifel zog. Was 1989 noch als tragische Wiederholung der Reichsgründung mit allen ihren entsetzlichen Folgen erschienen war, das habe sich, so Pohrt, mittlerweile als Farce entpuppt. Es sei kein Neubeginn für den Nationalstaat, sondern dessen Untergang gewesen, und obendrein dürfe man von einer Bevölkerung, welche sich aus Gründen ihrer Altersstruktur hauptsächlich um den Zahnersatz und die Rente sorgen muss, kaum die Kraft zu außerordentlichen Missetaten erwarten.

Pressestimmen

»Pohrt schreibt vorbildlich brillant. Er ist lustig, er ist überraschend, er ist klug. Wo andere Linke mit Sozialstatistiken, Klassikerzitaten und Talkshowaufgeschnapptheiten dahereiern, genügt ihm als krass-intellektuellem Stand-Up-Comedian etwas Marx, Horkheimer/Adorno und Google, um auf nachvollziehbarste Art und Weise eine Psychopathologie des kapitalistischen Alltags zu entwerfen. Bezogen auf die westlichen Industriestaaten könnte man die herrschenden Verhältnisse nach Pohrt so auf den Punkt bringen: voll öde, deppert und natürlich extrem brutal. «  (Christof Meueler, junge welt)

»Um den weiteren Verlauf des Kapitalismus zu beschreiben, reicht das klassische Besteck – Wertgesetz, Mehrwertabschöpfung, tendenzieller Fall der Profitrate etc. – nicht mehr aus. Pohrt bevorzugt stattdessen eine Soziologie der Bandenwesens, er übt sich in sozialpsychologischen Stilübungen zur Verwilderung der Selbsterhaltung. Kaum einer dürfte seine Dissertation gelesen haben, auch wenn sie seit einigen Jahren wieder greifbar ist. So kommt es, dass Pohrt als Provokationsteufel par excellence erscheint. Dabei folgt er streng den Prämissen seines an Horkheimer, Adorno, Günther Anders und Raymond Chandler geschulten Postmarxismus. Eine dieser Prämissen lautet: Auch der Faschismus, die ultimative Barbarei, hat ein Verfallsdatum. Die faschistische Gewalt, die Neonazis und brave Bürger in den ersten Jahren nach der deutschen Einheit exerzierten, ist für ihn letztlich nur ein Übergang in eine allgemeine Phase der gesellschaftlichen Regression und der Banden- und Cliquenherrschaft. In ›FAQ‹ beschreibt er den vorläufigen Endpunkt dieses Übergangs. Die deutschen Zustände sind eher bemitleidens- als hassenswert.« (Felix Klopotek, taz)