Das Telefon klingelt. Charlotte ruft mich aus Israel an. In Montélimar waren wir in derselben Klasse. Sie ist nach mir verhaftet worden, aber ich bin ihr in Birkenau nicht begegnet.
– Was machst du gerade?
– Ich arbeite über die Liebe.
Sie schweigt, als stieße das Wort Liebe sie vor den Kopf. Sie kann nichts damit anfangen. – Liebe? Die Liebe im Lager, oder was?
– Nach dem Lager.
– Ah, das ist besser. Im Lager hab’ ich nicht viel davon gesehen.
– Ich auch nicht.
Ich habe meinen aus den Lagern zurückgekehrten Freundinnen manchmal Fragen zu stellen versucht, über ihren Körper, ihr Verlangen, über die Liebe danach. Sie waren alle verschlossen. Eine sagte, dass sie es hasste, zu küssen oder geküsst zu werden, aber mir war das schon zu viel.
Wie lieben, sich hingeben, begehren, wenn man aus Auschwitz zurückgekehrt ist? Dies ist eines der seltenen Zeugnisse, die nach einer Antwort suchen.